Bald geht es los

09Juli2025

Dies ist der erste Eintrag in meinem/unserem neuen Blog. Lange haben wir gesucht, bis wir endlich fündig geworden sind und nun unsere Wunschreise auch nur zu sechst antreten können.

Es ist derzeit ja nicht ganz einfach, nach Russland zu kommen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir starten also in Frankfurt und fliegen zunächst nach Taschkent. Am Folgetag gehts dann weiter nach Sibirien.

Russland - das größte Land der Welt, erstreckt sich über zwei Kontinente und über 11 Zeitzonen.

Mit einer Geschichte, die von den Zaren, über die sowjetische Ära und das moderne Russland reicht, ist dieses riesige Territorium ein wahres Mosaik aus Kulturen und extremen Landschaften. 

Der Baikalsee: Die "Perle von Sibirien" ist der tiefste und älteste See der Welt, berühmt für sein kristallklares Wasser und die Nerpa-Siegel (Baikalrobbe), die einzige Süßwassersiegel auf dem Planeten.

Russland ist ein Land faszinierender Kontraste, in dem Geschichte, Wissenschaft und Natur in einem der beeindruckendsten Gebiete des Planeten aufeinandertreffen.

Wir freuen uns sehr auf diese schöne Reise und sind wie immer gespannt, neugierig, offen und unvoreingenommen. Es ist für keinen von uns die erste Reise nach Russland. Allerdings waren wir noch nie so weit im Osten des Landes.

Ach ja, und dann reisen wir wie immer unter dem Motto: "Reisen veredelt den Geist und räumt mit all unseren Vorurteilen auf!" (Oscar Wilde)

 

Taschkent (1)

10Juli2025

Unser Flug mit Uzairways hat gut 6 h gedauert und wir haben jetzt eine Zeitverschiebung von +3 h.

Flugroute 

Wir übernachten im 4* Hotel "Mercure Taschkent" in einer schönen Lage zwischen dem Geschäftsviertel und den Verkehrszentren von Taschkent. Ein tolles Hotel. Viel zu schade für die eine kurze Nacht.

Zum Glück landen wir abends, denn in Mittelasien ist es um diese Jahreszeit so richtig heiß. Deshalb spielt sich das Leben hier erst nach Einbruch der Dunkelheit ab. Die Geschäfte und Restaurants sind bis Mitternacht geöffnet.
Die Fahrt vom Flughafen nutzen wir für eine abendliche Stadtrundfahrt und besichtigen den modernen Taschkent City Park, der von Hotels und teuren Wohnungen umgeben ist.

Hotel Hilton

Am 26. April 1966 wurde die ganze Stadt von einem Erdbeben zerstört, das sein Epizentrum im Zentrum der Stadt hatte. In Taschkent lebten 78 000 Familien (mehr als 300 000 Menschen) ohne Obdach.

Bis 1970 wurde die Stadt komplett wiederaufgebaut. Das Großprojekt fand Unterstützung durch Bauleute aus der ganzen Sowjetunion.

Um den Verkehrsproblemen der immer stärker wachsenden Metropole gerecht werden zu können, begannen 1972 die Bauarbeiten für die erste U-Bahn Zentralasiens. Sie ging bereits 1977 in Betrieb. Das hohe Erdbebenrisiko wurde berücksichtigt, indem die Tunnel und Stationen sicher genug für Beben der Stärke 9 auf der Richterskala ausgelegt wurden. 

Wir hatten nun die Gelegenheit, mit dieser Bahn zu fahren und 3 Stationen zu besichtigen. Moderner in der Ausstattung als in Moskau und St. Petersburg, aber genauso tiptop sauber, ohne Müll, Graffiti …

WandgestaltungJuri gagarin

Und dann wird es auch schon Zeit, zu Bett zu gehen. Bereits um 09:45 Uhr starten wir gen Irkutsk.

Irkutsk - Tag 1

11Juli2025

Nach 4:20 Flugstunden und erneuten + 3h Zeitverschiebung haben wir Sibirien erreicht und das Abenteuer kann beginnen. Für die nächsten 2 Nächte ist das 4-Sterne Hotel „Irkutsk City Center“ unser Quartier. Wieder wohnen wir absolut zentral.

Nach einem ganz tollen Frühstück im Taschkenter Hotel genießen wir das erste Abendessen in Irkutsk. 


Bei immer noch 28 Grad bummeln wir zur Angara. Sofort kühlt sich das Klima ab, denn der Fluß ist reißend und eiskalt. 

Irkutsk - Tag 2

12Juli2025

Vorbei an wunderschön verzierten Holzhäusern, an alten Kirchen und Klosteranlagen entdecken wir eine der wohlhabendsten Städte der Region. Dabei werfen wir natürlich einen Blick auf Zar Alexander III, der mit dem Bau der Transsib zur Erschließung Sibiriens beigetragen hat. Und falls wir bisher dachten, nur in Washington gibt es das Weiße Haus, belehrt uns Irkutsk eines Besseren.


Nachdem wir beim Mittagessen die traditionelle Küche der Region gekostet haben, statten wir dem berühmten Dekabristenmuseum einen Besuch ab. Dekabristen (russisch für Dezember) waren die Ersten, die 1825 den Zar zu stürzen versuchten. Erfolgreich war ihr Aufstand nicht. Dafür sorgten die deportierten Adligen für einen kulturellen Aufschwung in Irkutsk.

 

Im Großen Vaterländischen Krieg sind 60.000 Menschen aus Irkutsk umgekommen. Ihnen ist das Denkmal an der Ewigen Flamme gewidmet.

Und auch das entdecken wir am Straßenrand:

Heute Abend ziehen wir um die Ecken und versuchen uns in einem burjatischen Kaffee an der regionalen Küche (ohne Reiseleitung!). Aber die Russischkenntnisse kommen Stück für Stück zurück und außerdem hilft Google Lens. Und dennoch erwies sich das Ganze als schwieriges Unterfangen. Uwe war der Meinung nur 4 Getränke bestellt zu haben. Dann kamen 5 burjatische gefüllte Teigtaschen + 500 ml Bier, 8 weitere Biere, 2 Wasser und ein griechischer Salat🙈

Listwjanka

13Juli2025

Den gestrigen Tag haben wir nach dem "üppigen" Abendessen mit zwei Runden Wodka beschlossen. Das ist allen sehr gut bekommen.


Heute fahren wir entlang der Angara bis zum Baikalsee, wo sie der einzige Abfluss ist.

Tatjana berichtet ausführlich darüber, wie die angeblich grüne Energiegewinnung durch Wasserkraft das Klima der Region verändert hat. 

Die Angara ist eine der größten Wasserkraftquellen der Erde. Vier große Wasserkraftwerke nutzen das Wasser des Flusses. 

Der Bratsker Stausee, einer der größten Stauseen der Welt, führte zur Überflutung von 264 Siedlungen mit etwa 114.000 Einwohnern. 

Bei niedrigem Wasserstand können die Überreste der überfluteten Dörfer wieder sichtbar werden, was gelegentlich als "Geisterdörfer" bezeichnet wird.

Am sehenswerten Freilichtmuseum Talzy legen wir einen Stopp ein. Die Gründung des Museums auf einem Hügel am Stausee von Irkutsk geht auf das Jahr 1966 zurück. Insgesamt beherbergt das Museum 36 Holzbauten.

Besonders sehenswert sind eine Holzkirche, die Ende des 17. Jahrhunderts erbaut wurde und ein im Jahre 1630 erbauter Festungsturm, die beim Bau des Angara-Staudammes vor der Überflutung gerettet wurden. Neben diesen befinden sich in dem Freilichtmuseum auch alte Bauernhäuser und eine Kirchenschule aus dem 19. Jh.



Hier wird uns auch das Leben im alten Sibirien näher gebracht. Für Fotografie-Freunde ist das Freilichtmuseum „Talzy“ ein wirkliches Paradies. 

Deutsche WaschmaSamovarSommerjurteWinterjurte

Leider erleben wir heute das Kontrastwetter zur gestrigen Wärme - Regen😫 entsprechend schlecht sind die Sichtverhältnisse.

Eine besondere Legende rankt sich um den Schamanenstein. Es ist die Geschichte vom Vater Baikal und seinem Zorn auf die Tochter Angara. In der Legende erregte die Angara den Zorn ihres Vaters Baikal, weil sie floh, um sich mit dem Jüngling Jenisseij zu vereinen - der wütende Papa warf seiner treulosen Tochter einen Stein hinterher, der heute als so genannter Schamanenstein die schmale Stelle zwischen See und Fluss nahe Listwjanka markiert. 

Wir erreichen das „Tor zum Baikalsee“ - Listwjanka - am einzigen Abfluss des Baikalsees, dem Fluss Angara.

Ein lohnenswerter Abstecher führt uns auf den örtlichen Markt. Hier ist besonders das Sortiment an Baikalfischen interessant. Ein ganz besonderer Fisch ist der durchsichtige Golomjanka. 
Golomjankas sind ungewöhnlich, da sie in der gesamten Wassersäule des Baikalsees vorkommen, in Tiefen von etwa 1,6 km bis fast zur Oberfläche, hauptsächlich jedoch in Tiefen von über 100 m.

Zum Mittagessen wird ein ganz typischer Fisch des Sees, der Omul, in allen Variationen serviert. Und alles schmeckt hervorragend.

Bei der Dorfbesichtigung darf das Baikalmuseum nicht fehlen. Im Aquarium treffen wir zwei Baikalrobben und erfahren viel Erstaunliches zur weltweit einzigartigen Flora und Fauna des Sees.

Nach dem Mittagessen, gondeln wir in Erwartung eines fantastischen Fernblicks über die Angara und den südlichen Baikalsee mit der Seilbahn zum Tscherski Stein hoch und sehen - nichts.

Wir beziehen Quartier im Hotel „Krestovaya Pad“.

Und dann stürzt sich Andreas mutig in den eisigen Baikalsee - das ist wahre Härte. 

 

Transsibirische Eisenbahn

14Juli2025

Mit der Fähre überqueren wir den Fluss Angara, der an seiner breitesten Stelle 860 m misst. 20-25 Min. benötigen wir bis zum Port „Baikal“, dem Startpunkt einer einzigartigen Zugreise.

Entlang des Baikalsee genießen wir den ganz besonderen Transsib-Flair im komfortablen Zug der 1. Klasse -  kein Vergleich mit unserer Zugfahrt von Peking nach Pjöngjang 🤣 im "Norkoreaexpress".

Mit dem Baikalexpress schlängeln wir uns auf der beeindruckenden alten Trasse der transsibirischen Eisenbahn am Baikalsee entlang 100 km, durch 39 Tunnel, über 400 Brücken und 15 Galerien (halboffene Tunnel zum Baikalsee), an bis zu 400 m hohen, steilen Abhängen vorbei, die von Stützwänden entweder auf der Berg- oder auf der Baikalseite eingefasst sind.

Natürlich machen wir 4 Zwischenstopps und lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen, einen nach alten Rezepturen hergestellten Pinienlikör zu kaufen.

Unser schmackhaftes Mittagessen wurde liebevoll von Einheimischen zubereitet.

In Sljudjanka, der Endstation, wechseln wir das Gefährt und weiter geht es nach Baikalsk.

Heute übernachten wir im „Grand Baikal“, das am Fuß des Berges Sobolinaja liegt, einen Steinwurf vom Baikalsee entfernt - dachten wir. Es ist wieder unglaublich warm.


Zum Abendessen wird wieder ein Fsch aus dem Baikalsee serviert.

Baikalsk / Tankhoy

15Juli2025

Heute starten wir wieder mit dem Bus in Richtung Tankhoy. 

Im Dorf Tankhoy am Ufer des Sees wurde 2017 ein moderner Informations- und Bildungstourismuskomplex eröffnet - eine effektive Plattform um Geschichte, Flora und Fauna des Baikalsees kennenzulernen.  

Im Naturschutzgebiet Baikalski ist alles naturbelassen, sodass u.U. bei Bärengefahr die Begleitung durch einen Ranger erforderlich wird. Hoffen wir mal, dass das heute nicht notwendig ist.

Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet und bewundern die intakte Natur und die herrlichen Waldgebiete. 

Sibirien ist geprägt von Nadelholz. Die Lärche ist der verbreitetste Baum, weil sie am robustesten in Bezug auf die klimatischen Verhältnisse ist. Die Kiefer folgt an zweiter Stelle (15 verschiedene Arten). Erst danach folgt die sibirische Zeder. 

Der häufigste Laubbaum ist die Birke (Symbol Russlands - 35 Arten).

Mittag essen wir in einem lokalen Cafe. Diesmal ist eine leckere Soljanka dabei.


Und dann steigen wir in den Linienzug von Moskau nach Tschita und fahren bis Ulan-Ude. Ein Erlebnis😂

Unser Transferfahrer wollte unbedingt auf das Foto mit Uwe und Beerensammlerin:

Eine Bahnfahrt die ist lustig …

Unser Quartier für die nächsten 3 Nächte ist das zentrale 4-Sterne Hotel „Baikal Plaza“ in Ulan-Ude.

Der Durst treibt uns erstmal in den Pub Churchill. Da beginnt das Dilemma mit dem Verstehen der Speisekarte🙈 Der Kellner versteht uns nicht und wir ihn nicht, also gehen wir auf Nummer sicher und bestellen, was wir kennen. Aber wir haben ja noch Vodka- und Kräuterlikör - Vorräte. 

Der Tag war insgesamt etwas trocken. Wir haben zum Mittag kein Bier bekommen😫

 

Ulan-Ude (Tag 1)

16Juli2025

Der buddhistische Glauben ist eine eher unbekannte Seite Russlands, aber doch so mächtig und wichtig. Nach Burjatien kam der Buddhismus im 17. Jh.  Nach der Oktoberrevolution wurden jedoch die Klöster zerstört. 1945 haben die Mönche Stalin um die Genehmigung für den Wiederaufbau von Klöstern gebeten. Ca. 40 km von Ulan-Ude entfernt wurde es ihnen erlaubt. Die Mönche fanden eine sehr gute Quelle. Dort errichteten sie 1946 das Kloster „Iwolginski Dazan“ und erweitern es ständig.

KlosterWohnhaus eines Mönchs

Dieses Kloster ist das Zentrum der russischen Buddhisten und Klöster. Zugleich beherbergt es die einzige buddhistische Universität Russlands. Philosophie und tibetische Medizin werden hier gelehrt. 

Natürlich haben wir auch Daschi-Dorscho Itigelow besucht, den Mönch, der weder tot noch lebendig zu sein scheint. Andreas hatte bei seinem Anblick eine Assoziation zu einem unserer Freunde.

Der untote Mönch

Auf der Weiterfahrt legen wir einen Stop am Berg „Der schlafende Löwe“ ein.

Aufstieg

Wir fahren entlang der Gleise der transmongolischen Eisenbahn zu den Altgläubigen. Ihre Dörfer gehören zu den schönsten in ganz Russland. Die Altgläubigen in Sibirien bilden eine einzigartige regionale ethnische Gruppe. Sie entstanden vor etwa 300 Jahren nach einer Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche und wurden aufgrund ihrer Abspaltung verfolgt und getötet. Aus diesem Grund zogen sie sich in abgelegene Gebiete Russlands zurück oder wurden dorthin verbannt und siedeln bis heute dort. Die Unterschiede zur heutigen orthodoxen Kirche sind beispielsweise, das sich mit drei statt zwei Fingern Bekreuzigen, geänderte Formulierungen im Glaubensbekenntnis und neuere Schreibweisen von z.B. Jesus. Noch heute werden komplizierte, für uns altmodisch anmutende Regeln befolgt.

WohnhausPetra versucht den „süßen Brei“ aus dem Ofen zu ziehen

In einem Haus der Altgläubigen kosten wir die typisch altgläubige Küche: „Schtschi“ oder Kohlsuppe, Räucherspeck, Kuchen mit Traubenkirsche, Schürzkuchen und natürlich selbst gebrannten Votka. 

Wir erlebten eine Vorführung ihres vielstimmigen unnachahmlichen Satzgesangs und wurden eingespannt, um die Brautkleidung und die Rituale der Brautwerbung vorzuführen. Die Brautkleidung ist mehrlagig, relativ schwer, ziemlich warm und aufwendig.

Brautpaar

Es war eine so herzliche Atmosphäre, dass uns der Besuch in Tarbagatai ganz sicher in Erinnerung bleiben wird. 

Wir lassen diesen ereignisreichen Tag noch mit einem Freundschaftsfotoshooting in Ulan-Ude ausklingen.

Darauf einen Vodka - на здоровье!

Ulan-Ude (Tag 2)

17Juli2025

Heute Morgen mussten wir feststellen, dass sogar der deutsche Wetterbericht für diese Region lügt. Statt angekündigtem Sonnenschein goss es in Strömen. Aber unsere Geduld wurde belohnt und gegen 10 Uhr riss der Himmel auf, sodass wir entspannt unseren Stadtrundgang beginnen konnten.

Einst ein Winterlager von Kosaken, ist Ulan-Ude heute florierendes Zentrum von Burjatien. Wir flanieren durch die von Arkaden gesäumten Straßen bis zum Leninplatz, wo uns die weltweit größte Portraitbüste erwartet. 7,70 Meter ist das Gesicht Lenins groß, 42 Tonnen bringt es auf die Waage.



Unser erster Anlauf Kaffee im Drehrestaurant der 12. Etage eines Hotels zu trinken, endete vor verschlossenen Türen.

Aber da wir nicht so schnell aufgeben, klappte es beim zweiten Versuch. Nur, das Restaurant dreht sich nicht. Das sehr nette Personal half uns, die 1,5 h Wartezeit zwischen beiden Versuchen im Hotelrestaurant bei Kaffee/Tee und leckerem Kuchen zu überbrücken. Wir konnten also getrost in der Bar gleich zum Bier/Gin-Tonic greifen.

Gremjatschinsk

18Juli2025

Da unsere Vodka Vorräte ausgetrunken waren, haben wir gestern noch Nachschub besorgen wollen. Wir mussten erfahren, dass zwar die Supermärkte bis 24 Uhr geöffnet sind, Alkohol aber nur bis 21 Uhr verkauft wird. 
Heute um 09:30 Uhr unternahmen die Männer einen erneut erfolglosen Versuch. Alkohol wird erst ab 10 Uhr verkauft. So die Aussage der Verkäuferin. Also um 10 Uhr der nächste Anlauf. Aber weit gefehlt! Neue Aussage: Alkohol erst ab 11 Uhr!!

Da das schon unsere Abfahrtszeit war, wurde Andreas abgeordnet, den Nachschub zu besorgen. Mit gefülltem Korb an der Kasse gab die Kassiererin die Beträge ein. Doch plötzlich wurde alles wieder storniert, weil sie feststellte, dass es erst 4 Min. vor 11 Uhr war🫣. Aber Ende gut, alles gut. Wir haben wieder dazu gelernt. Nicht umsonst hat der alte Goethe gesagt, dass die beste Bildung der Mensch auf Reisen erfährt.

Heute fahren wir zurück durch endlose Weiten zum Baikalsee. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Natur gesund. So etwas haben wir lange nicht gesehen. Unterwegs halten wir an einem erst 2000 gegründetem Frauenkloster. Hier leben 15-20 Nonnen.

Wir halten am Ufer eines  Flusses und schließen sofort herzliche Bekanntschaft.

Glasklar

Da wir nur 5 Min. vom Baikalsee entfernt im Hotel „Baikalskaja Riviera“ übernachten, führt der erste Weg ins örtliche Magazin, um die Bierversorgung am Abend zu sichern und der zweite in den See.

Andreas, Elke(!!) und Uwe stürzen sich in das nicht mehr ganz so kalte Wasser. Roland braucht einen längeren Anlauf und die Petras sorgen für die Fotos🤨

Heute Abend wurde uns dank Tatjanas Charme die Ehre zuteil, auf der Veranda speisen zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit hat uns Tatjana gezeigt, wie wir zuerst mit Vodka (!) dem Baikalsee, dann den Geistern der Umgebung und schließlich dem Haus einige Tropfen opfern. Erst danach konnten wir den Vodka trinken. Er wird als Medizin zimmerwarm getrunken und ist gut zum Essen für die Verdauung.

 

 

Ust-Bargusin

19Juli2025

Unser heutiges Ziel ist die Holzhaussiedlung Ust-Bargusin. Eine alte Legende sagt, dass hier die Mutter von Dschingis Khan geboren wurde.

Die unberührte Natur und weite Stille des Baikalsees sind faszinierend. Hier findet man auch uralte Felsmalereien.

Die Entfernungen haben hier ganz andere Dimensionen. Unser Ausflug geht über Straßen und Pisten ca. 200 km in eine Richtung. Und dann ist es wieder unglaublich warm🥵

Im Dorf Bagusin machen wir einen Abstecher ins Heimatmuseum. Erstmals dürfen wir Zobel-, Nerz- und andere Tierfelle anfassen und erfahren Wissenswertes über Zucht und Schutz der Tiere. 

Weil die Sicht heute sehr gut ist, steigen wir hoch zur Aussichtsplattform und genießen den Rundblick.

Und weiter gehts durch das Bagusintal bis zum Haus von Baba Nina. Sie hat für uns ein schmackhaftes Mittagessen zubereitet. Die Smetana mit einem 80% igen Fettgehalt ist ein Hochgenuss.

Der nächste Halt ist am Stein Ocks, einer heiligen Stelle bei den Einheimischen. 
Stein Oks

Natürlich wollen wir nun auch die Gelegenheit nutzen, von der Felsformation hinter dem Dorf ins Tal zu blicken.

Wir stoppen an einem Salzsee, um die Füße zu erfrischen. Der ist warm und seicht, sodass Andreas nicht widerstehen kann und gleich ganz hinein geht. 

Heute wartet noch ein ganz besonderes Highlight auf uns. Wir haben Karten für ein Ballett auf dem  Baikalsee.

Es war ein großartiges Erlebnis, diese grazilen Tänzerinnen und sprunggewaltigen Tänzer vor der untergehenden Sonne am Baikalsee zu sehen.

Das mussten wir ordentlich "begießen".

Dorf Barguzin

20Juli2025

Wieder ging es über Straßen und Pisten bis Baguzin. Dort wartete ein „Katamaran“ auf uns. Nachdem wir unsere Rettungswesten endlich angelegt hatten, drückte man uns ein Paddel in die Hand und ab ging’s zum Rafting auf dem Bagusin Fluss. Allerdings kein Wildwasserrafting sondern passend für uns altersgerecht über relativ ruhiges Wasser, sodass wir Zeit und Muße für die Landschaft hatten. 
Roland hat den Überblick

Beim Anlegen stellten wir uns etwas dämlich an, aber ins Wasser ist keiner gefallen.

Kaum hatten wir angelegt, dampfte schon wieder der Wasserkessel, der Tisch war gedeckt und die Gläser für den Alkohol standen parat. Nur ein „kleiner Imbiss“, aber sehr wohltuend nach der furchtbaren😜Anstrengung. 


Dann wartete endlich Abkühlung auf uns. Unser Kleinbus wurde gegen einen Geländewagen getauscht und ab ging’s durch den Sandstrand zu einem privaten Abschnitt am Baikalsee mit Sauna/Banja und warmem Pool  - eine Wohltat. Begrüßt wurden wir mit Zubrovka (Votka mit Kräutern) und Ketrovk (Vodka mit Zedernnussschalen). Dazu gab’s Fingerfoot.

15:30 Uhr war dann endlich Mittagszeit. Der fangfrische Hecht aus dem Baikalsee war ein Genuss und musste in reichlich Zubrovka/Ketrovka zum Schwimmen gebracht werden. Also Russland ist definitiv nichts für Antialkoholiker😆🤪

Am Abend üben wir mit Tatjana, wie man Cognac mit Zitrone und Schokolade trinkt und dazu getrocknete Wassermelone isst. 

 

Insel Olchon / Baikalsee (Tag 1)

21Juli2025

Heute Morgen gab’s eine Überraschung: kein Strom und kein Wasser🙈 Um 7 Uhr kam der Strom dann  zwar zurück, aber wir wollten heute zeitig los. Der Baikal zeigt seine unberechenbare Seite und das Wetter ist umgeschlagen. Es stürmt und die Stärke nimmt zu. 

Die geplanten ca. 2,5 h Überfahrt mit dem Schnellboot zur Insel Olchon wuchsen sich zu einer 5-stündigen Katastrophe aus. Der Baikal war in Aufruhr und wir waren in kürzester Zeit klitsch nass. Die Wellen bauten sich auf Höhen von 3-4 m auf und wir in dem winzigen Boot🙈. Das gute Vertigo Hevert hat leider nicht allen geholfen …🤮

Am schlimmsten war, wenn man auf die Toilette musste. Denn die gab es auf dem Boot nicht …🤢

Das war jetzt eine Erfahrung, auf die jeder gerne verzichtet hätte. Aber wir sind heil angekommen und genießen jetzt die Zeit auf der größten Insel im Baikalsee. Sie wird auch „Herz des Baikalsees“ genannt.

Hier bleiben wir 3 Nächte im Hotel „Baikal View“, nur wenige Hundert Meter vom Baikalsee.

Das restliche Tagesprogramm wurde heute gestrichen, weil sich alle erstmal erholen mussten. Vodka gibt es heute auch nicht😌.

 

Insel Olchon / Baikalsee (Tag 2)

22Juli2025

Heute haben wir unsere Blessuren der gestrigen Bootsfahrt deutlich gespürt. Blaue Flecken, Muskelkater, Armschmerzen … naja, 5 h total verkrampft fordern ihren Tribut. Aber dafür lacht die Sonne bei 23 Grad, das ist nach den heißen Tagen sehr angenehm.

In Khuzhir, der Inselhauptstadt, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Staubige Straßen, traditionelle Holzhäuser und keine Wasserleitungen. Nicht weit entfernt: der berühmte Schamanenfelsen, zwei kalkmarmorne Spitzen, die sich aus dem Wasser erheben und eines der neun Heiligtümer Asiens sind. Sie werden auch als  „Mammutzähne“ bezeichnet. 

Der Schamanismus ist in burjatischen Dörfern noch weit verbreitet und überall auf der Insel sieht man Pfähle mit bunten Bändern.

Der Schamanenfelsen gehört zum Heiligtum der Burjaten. Hier wurden früher die Schamanenrituale zur Verehrung von Himmel und Erde, Flora und Fauna vollzogen. Als Opfer für die Geister wurden bunte Stofffetzen an Holzpfählen befestigt und Steine aufeinander gelegt. Diese sind auch heute noch erhalten und ragen in den blauen Himmel empor, der im schamanischen Glauben den Schöpfergott symbolisiert.

Der burjatische Brauch gibt vor, dass jeder Vorbeireisende an diesen Stellen ebenfalls einen Stein oder einen Stofffetzen als Symbol zur Verehrung der Götter ablegt beziehungsweise anbringt.

Tatjana hat vorgesorgt und für jeden ein Band in den Farben rot, gelb, blau und grün zur Auswahl dabei, aus denen wir wählen können.

In unserem russischen Jeep, einem Buchanka, auch Kastenbrot genannt, fahren wir auf unglaublich abenteuerlichen Sandpisten. Tatjana hat Sprechverbot erteilt, damit sich niemand auf die Zunge beißt. Sie quatscht allerdings mit dem Fahrer wie ein Wasserfall ...

Uwe dichtet: Durch die Taiga ohne Not, fährt man nur im Kastenbrot.

Der Nationalparkranger am Eingang konnte gar nicht glauben, dass hier Deutsche unterwegs sind.

Vorbei an einsamen Buchten und spektakulären Steiküsten, durch karge Hügellandschaften und dichte Taiga fahren wir bis zum Nordkap.

Kap Choboi ist der nördlichste Punkt Olchons. Hier oben liegt mit fast 80 km die breiteste Stelle des „sibirischen Meeres“ vor uns.

Auf uns wartet ein tolles Picknick (zubereitet von unserem Fahrer!!) in dieser einzigartigen Umgebung mit köstlicher Fischsuppe und einem Tee aus frischen sibirischen Steppenkräutern.

Der nächste Stop ist am Kap Shunte (Kap der Liebe).

Wir besuchen noch die Skulptur "Der Wächter des Baikalsees" des Bildhauers Dasha Namdakov.

Und wer geht noch im eisigen Wasser (ca. 15 Grad) baden? Nur Tatjana und Andreas😱

 

 

Insel Olchon / Baikalsee (Tag 3)

23Juli2025

Buchanka wartet schon auf uns, um uns in den südlichsten Teil der Insel zu bringen. Allein die Fahrt ist schon wieder ein Abenteuer. Es geht erneut verwegen über spektakuläre Pisten. Das kann kein Foto wiedergeben. Deshalb drehen wir hier Videos. 

Unterwegs stoppen wir an einer einsamen Birke. Nicht ohne Grund ist diese wunderschöne Birke von einem Zaun umgeben.

Burjatische Schamanisten betrachten sie als heilig, weil sie im Steppenteil der Insel wächst und es hier nie Birken gab.

Die schöne Form der Birke, das Fehlen von gebogenen und abgestorbenen Ästen ist eine Art Wunder der Natur und dient als Grund für die Entstehung von Legenden. 

Die Höhe dieses erstaunlichen Baumes beträgt 10 m, der Stammumfang beträgt 90 cm, was darauf schließen lässt, dass er 50 Jahre alt ist.

Auf der Insel Ogoi erblicken wir eine völlig deplatziert wirkende weiße Stupa. Auf Olchon ist der Buddhismus nicht zu Hause. Die Insel ist schamanistisch geprägt, weshalb die Stupa zu Missfallen führte. Aber reiche Russen verschafften sich mit den entsprechenden Mitteln die erforderlichen Genehmigungen zur Errichtung.

Stupa auf Oigo

Unser Ausflug führt uns zur imposanten Kurykan-Mauer. Wir lernen die Geschichte der Kurykaner kennen, die zwischen dem 6. und 9. Jh auf Olchon und in der gesamten Baikalregion lebten. Sie gelten als Vorfahren der heutigen Jakuten.


Und dann steigen wir aus und laufen lieber bergab. Der Weg ist sehr steil und uneben, sodass es ungefährlicher ist, zu laufen.

An einer relativ windgeschützten Stelle auf der Südseite des Baikalsees bereitet uns Valeri wieder ein vorzügliches Picknick. Heute gibt es eine schmackhafte Hühnersuppe und dazu natürlich 1 ganze Flasche Vodka. 

Nur Andreas nutzt an dieser Stelle die Gelegenheit zu einem letzten Bad im ca. 10 Grad kalten Baikal.


Wir steigen erneut aus und laufen lieber bergab.

Auf uns wartet noch ein leckeres Abschiedsessen im Café Schokolade:

Griechischer Salat, Pelmeni, Lachs und Eis - das war so lecker, dass wir uns schon auf 1l Abend-Vodka freuen😜

Der Abschied fällt uns wirklich schwer.

Irkutsk

24Juli2025

Heute geht es wieder zurück - leider.

Von der südlichsten Spitze der Insel Olchon nehmen wir die Fähre zum Festland. Unsere Fahrstrecke nach Irkutsk beträgt gut 300 km.

Nach ca. 2/3 der Strecke legen wir eine Mittagspause ein und in der „Goldenen Jurte“ werden typische Gerichte der burjatischen Küche serviert:

1.Salat

2. Schol (Шол) - eine herzhafte Suppe, die mit Fleisch (Lamm oder Rind), Gemüse und Nudeln zubereitet wird, sowie Himguu. Das sind gebratene Teigtaschen, ähnlich den Piroschki.

3. Bööv (Буузы/Buuza) - gedämpfte Teigtaschen. Sie werden aus einem einfachen Teig aus Mehl, Wasser und Salz hergestellt und mit Hackfleisch (meist Rind oder Lamm) gefüllt, das mit Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen zubereitet wird. 

Wir beziehen erneut das City Center Hotel.  

Dann brechen wir auf, um unsere letzten Rubel aufzuessen. Im 2. Anlauf finden wir dank Uwe das "Rio Grande". Es erweist sich als hervorragende Wahl. Die Gerichte sind bebildert und die Kellnerin hat viel Geduld mit uns. Jeder trifft seine Wahl und alle sind zufrieden. Ein rundum gelungener letzter Abend. 

Und so sah das aus, wenn wir abends Blog bei Vodka geschrieben haben:

Morgen wollen wir noch einmal auf den Markt fahren und einkaufen.

Taschkent (2)

25Juli2025

Unser Rückflug geht erst um 19:05 Uhr, aber wegen der Zeitverschiebung landen wir schon um 20:50 Uhr in Taschkent.

Wir nutzen also den Tag in Irkutsk noch zu einem Marktbesuch für letzte Einkäufe. Dorthin fahren wir mit der altersschwachen Straßenbahn - auch ein Erlebnis. Weil immer noch Geld übrig ist, laufen wir zu einer Fußgängerzone und genießen einen letzten gemeinsamen Umtrunk.


Und dann heißt es von Tatjana Abschied zu nehmen. Sie war uns eine tolle Reisebegleiterin.



Die Nacht wird kurz, denn der Weiterflug nach Frankfurt startet um 05:50 Uhr. Dafür landen wir auch bereits um 09:40 Uhr und können ganz entspannt die Rückreise nach Berlin, Wittenberg und Jena antreten.

Was bleibt?

Es war eine wunderschöne, erlebnisreiche Reise in ein Land mit gastfreundlichen Menschen, intakter Natur und gutem Vodka. Wir wurden als Deutsche überall herzlich begrüßt. Die Russen unterscheiden sehr wohl zwischen der Bevölkerung und der Politik. 

Der Baikal im Winter - das wäre nochmal ein spektakuläres Ziel.

Meinst du, die Russen wollen Krieg? 

Meinst du, die Russem wollen Krieg?
Befrag die Stille, die da schwieg
im weiten Feld, im Pappelhain,
Befrag die Birken an dem Rain.
Dort, wo er liegt in seinem Grab,
den russischen Soldaten frag!
Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Nicht nur fürs eig’ne Vaterland
fiel der Soldat im Weltenbrand.
Nein, daß auf Erden jedermann
in Ruhe schlafen gehen kann.
Holt euch bei jenem Kämpfer Rat,
der siegend an die Elbe trat,
was tief in unsren Herzen blieb:

Meinst du, die Russen woll’n…

Der Kampf hat uns nicht schwach gesehn,
doch nie mehr möge es geschehn,
daß Menschenblut, so rot und heiß,
der bitt’ren Erde werd’ zum Preis.
Frag Mütter, die seit damals grau,
befrag doch bitte meine Frau.
Die Antwort in der Frage liegt:

Meinst du, die Russen woll’n…

Es weiß, wer schmiedet und wer webt,
es weiß, wer ackert und wer sät -
ein jedes Volk die Wahrheit sieht:
Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Jewgeni Jewtuschenko (1961)