Insel Olchon / Baikalsee (Tag 2)

22Juli2025

Heute haben wir unsere Blessuren der gestrigen Bootsfahrt deutlich gespürt. Blaue Flecken, Muskelkater, Armschmerzen … naja, 5 h total verkrampft fordern ihren Tribut. Aber dafür lacht die Sonne bei 23 Grad, das ist nach den heißen Tagen sehr angenehm.

In Khuzhir, der Inselhauptstadt, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Staubige Straßen, traditionelle Holzhäuser und keine Wasserleitungen. Nicht weit entfernt: der berühmte Schamanenfelsen, zwei kalkmarmorne Spitzen, die sich aus dem Wasser erheben und eines der neun Heiligtümer Asiens sind. Sie werden auch als  „Mammutzähne“ bezeichnet. 

Der Schamanismus ist in burjatischen Dörfern noch weit verbreitet und überall auf der Insel sieht man Pfähle mit bunten Bändern.

Der Schamanenfelsen gehört zum Heiligtum der Burjaten. Hier wurden früher die Schamanenrituale zur Verehrung von Himmel und Erde, Flora und Fauna vollzogen. Als Opfer für die Geister wurden bunte Stofffetzen an Holzpfählen befestigt und Steine aufeinander gelegt. Diese sind auch heute noch erhalten und ragen in den blauen Himmel empor, der im schamanischen Glauben den Schöpfergott symbolisiert.

Der burjatische Brauch gibt vor, dass jeder Vorbeireisende an diesen Stellen ebenfalls einen Stein oder einen Stofffetzen als Symbol zur Verehrung der Götter ablegt beziehungsweise anbringt.

Tatjana hat vorgesorgt und für jeden ein Band in den Farben rot, gelb, blau und grün zur Auswahl dabei, aus denen wir wählen können.

In unserem russischen Jeep, einem Buchanka, auch Kastenbrot genannt, fahren wir auf unglaublich abenteuerlichen Sandpisten. Tatjana hat Sprechverbot erteilt, damit sich niemand auf die Zunge beißt. Sie quatscht allerdings mit dem Fahrer wie ein Wasserfall ...

Uwe dichtet: Durch die Taiga ohne Not, fährt man nur im Kastenbrot.

Der Nationalparkranger am Eingang konnte gar nicht glauben, dass hier Deutsche unterwegs sind.

Vorbei an einsamen Buchten und spektakulären Steiküsten, durch karge Hügellandschaften und dichte Taiga fahren wir bis zum Nordkap.

Kap Choboi ist der nördlichste Punkt Olchons. Hier oben liegt mit fast 80 km die breiteste Stelle des „sibirischen Meeres“ vor uns.

Auf uns wartet ein tolles Picknick (zubereitet von unserem Fahrer!!) in dieser einzigartigen Umgebung mit köstlicher Fischsuppe und einem Tee aus frischen sibirischen Steppenkräutern.

Der nächste Stop ist am Kap Shunte (Kap der Liebe).

Wir besuchen noch die Skulptur "Der Wächter des Baikalsees" des Bildhauers Dasha Namdakov.

Und wer geht noch im eisigen Wasser (ca. 15 Grad) baden? Nur Tatjana und Andreas😱